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22.05.2015

Die "Prawda" 1950 zu Aldous Huxleys "Affe und Wesen", George Orwells "1984" und anderer westlicher Literatur

 

 

I. Anissimow: Feinde der Menschheit

Die Feinde der Menschheit, die Anstifter eines neuen Weltkrieges, wissen sehr wohl, dass ihre verbrecherischen blutigen Absichten niemals Wirklichkeit werden, wenn es ihnen nicht gelingt, die Völker zu täuschen. Sie scheuen keine Ausgaben für den massiven Einsatz aller Mittel der Provokation und der Erpressung, um das Bewusstsein der Massen mit ihrem Gift zu vernebeln. Unter anderem bedienen sie sich dazu auch der Prostituierung der Literatur.
     Während sich alles Ehrliche, Fortschrittliche, schöpferisch Lebensfähige in der zeitgenössischen Literatur der kapitalistischen Länder im Kampf für den Frieden und für die Freiheit der Völker zu einer eindrucksvollen Macht vereint, die sich aktiv in die das ganze Volk umfassende Bewegung einbringt, benutzen die Imperialisten den Abschaum der bürgerlichen Literatur für ihre menschenverachtenden Ziele.
     Dieser Kontrast zwischen der progressiven Literatur, die unter den Verhältnissen einer entfesselten Reaktion bedeutsame Werke hervorbringt, die das Volk braucht, und der moralischen Zersetzung der Literatur im Lager des Imperialismus ist verblüffend scharf.
     Keinem ernsthaften Beobachter der zeitgenössischen bürgerlichen Literatur in den USA oder  den von ihnen „marshallisierten“ Ländern England und Frankreich kann eine überaus charakteristische Erscheinung verborgen bleiben: In dieser Literatur, die Gangster und Gewalttäter verherrlicht, herrscht der Schrecken. Ein tödlicher Schrecken vor der Zukunft, der die gesamte menschenverachtende Ideologie der imperialistischen Kriegstreiber durchdringt. In diesem Sinne kann ein sich aus einem Klinikfenster in die Tiefe stürzender Forrestal durchaus als ein typischer Held der modernen Bourgeoisie bezeichnet werden.
     Kürzlich hat der progressive englische Publizist Ivor Montagu eine interessante Zusammenstellung von Äußerungen der bürgerlichen Presse im Zusammenhang mit dem Anbruch der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gefertigt. „Angst vor dem Selbstmord der Welt … Angst vor der Zukunft … Angst vor einer gewaltigen Katastrophe … Verfall der Menschheit … Chaos“, so jammern die modernen Tartuffes verschreckt durch die mächtigen Schläge, die das Gebäude des Kapitalismus erschüttern.
     Diese Stimmung ist so stark, dass die verschiedenartigsten Maßnahmen ergriffen werden, die Literatur in eine optimistischere Richtung zu lenken. Doch die Bemühungen, die Ausbreitung des unheilvollen Wundbrandes zu stoppen sind vergeblich, denn eine derartige „Literatur“ ist die natürliche und unausweichliche Frucht des absterbenden Kapitalismus.
     Wenn die Rede nur davon wäre, dass die tobenden Imperialisten vor der Zukunft erzittern und deshalb großes Verständnis für den Schritt Forrestals haben, dann bräuchte man dem keine besondere Aufmerksamkeit widmen. Es ist jedoch so, dass die imperialistische Reaktion alles daran setzt, die Massen in Schrecken zu versetzen. So sehr in Schrecken zu versetzen, dass die Menschen jegliches Interesse am gesellschaftlichen Leben verlieren sollen. Die amerikanische reaktionäre Propaganda zielt darauf ab, den Massen die Überzeugung von der Unausweichlichkeit eines Krieges einzupflanzen, folgsame Sklaven zu erziehen, die widerspruchslos jeden beliebigen Befehl ausführen.
     Das ist es, was die Imperialisten mit Hilfe der Furcht erreichen wollen unter breiter Hinzuziehung der Literatur zur Umsetzung ihres Planes.
     Große Verbreitung haben in letzter Zeit phantastische Romane und Novellen erlangt, in denen äußerst düstere Vorhersagen darüber getroffen werden, was die Menschheit in näherer Zukunft zu erwarten hat. Die Verfasser derartiger Prognosen entwerfen mit sicherem Strich Bilder eines dritten oder gar vierten Weltkrieges, weiden sich an der Darstellung der Schrecken der massenhaften Vernichtung von Menschen durch den Einsatz atomarer und bakteriologischer Waffen und sagen voller Häme das unausweichliche baldige Ende der Kultur, der Kunst und der Menschheit überhaupt voraus.
     Ihre krude Phantasterei krönen diese „Schriftsteller“ dann noch damit, dass irgendwelche Ungeheuer – mal affenartig, mal in der Gestalt von Fledermäusen -, die Erde besiedeln, nachdem die Menschheit sich selbst vernichtet hat, und denen es zudem gelingt „ein höheres geistiges Niveau als das der Menschen zu erreichen“. Welch ein Zynismus!
     Die Werke der menschenverachtenden Fantastik sind einander sehr ähnlich. Doch besonders abscheulich sind zwei Bücher, die vehement beworben und überall verlegt werden, wohin der verderbliche Einfluss des amerikanischen Imperialismus reicht. Dies sind die Bücher der anglo-amerikanischen Kosmopoliten A. Huxley - „Affe und Wesen“ -  und G. Orwell - „1984“.
     Beide Bücher sollen Angst vor der Zukunft erzeugen. Herr Huxley geht davon aus, dass ein dritter Weltkrieg unausweichlich ist. Der wackere Händler des Todes bringt seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die Menschheit in der Folge eines neuen Krieges aufhören wird zu existieren. Dabei macht er nicht die leiseste Andeutung, dass ihn dieser Umstand beunruhigen würde. Zynisch sieht er seine schriftstellerische Mission als die eines Totengräbers an. Und das nennt sich heutzutage in den USA oder in England Literatur!
     A. Huxley berichtet, dass in südlichen Gefilden nach einer atomaren Katastrophe eine gewisse Anzahl Paviane überlebt hat. Doch auch die Paviane sind dann, angesteckt von den Untugenden der Menschheit, in einem Krieg gegeneinander umgekommen. Ein irgendwo in Kalifornien übrig gebliebenes Häuflein Amerikaner, das auf einen unvorstellbar abstoßenden Zustand herabgesunken ist, verschafft sich Kleidung auf alten Friedhöfen, indem es voller Eifer Gräber öffnet. Nach den Worten des Autors handelt es sich um „eine völlig neue Menschenrasse, deren Missgestalt in ihrem Blut begründet liegt, die im Elend gefangen ist und die in der Zukunft nichts erwartet als noch größeres Elend, noch stärkere Entstellung und schließlich die völlige Vernichtung.“
     Das grässliche Büchlein A. Huxleys, das man zurecht als imperialistische Utopie bezeichnen darf, ist angefüllt mit Verachtung gegenüber dem Menschen. Vor nichts macht der Autor halt in seinem Bestreben, den Menschen herabzusetzen und zu verleumden, sein stolzes Streben danach, „Besieger der Natur“ zu sein, zu verspotten. Unverschämt die menschliche Existenz mit „Parasitentum“ gleichsetzend äußert sich A. Huxley diesbezüglich wie folgt: „Das Verhältnis zwischen dem modernen Menschen und dem Planeten, dessen Herrscher zu sein er bis vor kurzer Zeit glaubte, ist das Verhältnis zwischen einem Eingeweidewurm und dem Hund, in dessen Magen er sich eingenistet hat.“
     In einer normalen Gesellschaft würde ein Verbreiter derartigen geistigen Unrates als gefährlicher Verbrecher oder als ein Mensch, der endgültig den Verstand verloren hat, angesehen werden, doch im Lager des Imperialismus, den A. Huxley nicht ohne Koketterie „unseren organsierten Wahnsinn“ nennt, wird ein derartiger Schreiberling in den Himmel gehoben und gilt als Genie. Ein anschaulicher Maßstab zur Bestimmung des Niveaus der modernen bürgerlichen Literatur.
     Herr Orwell ist in allem vergleichbar mit Herrn Huxley, insbesondere in seiner Verachtung des Volkes und in dem Bemühen, den Menschen zu verleumden. Und wenn der eine schreit: „Die Stimme des Proletariates, das ist die Stimme des Teufels“, dann steht auch der andere nicht zurück, giftigen Geifer verspritzend und das Bild einer schrecklichen Zukunft ausmalend, die der Menschheit angeblich vorherbestimmt sei, dem Volk die Schuld an allem Unglück zuzuschreiben. Er ist genötigt einzuräumen, dass der Kapitalismus bis zum Jahr 1984, in dem der Roman angesiedelt ist, aufgehört hat zu existieren. Doch nur um den Weg frei zu machen für endlose Kriege und den Verfall der Menschheit, die auf das Niveau von roboterähnlichen, „Prolos“ genannten Wesen herabgesetzt wird.
     Verständlicherweise ist das schmutzige Buch Orwells ganz im Sinne solcher Leiborgane der amerikanischen Propaganda wie „Reader's Digest“, das dieses Werk druckte, und „Life“, wo es mit einer Vielzahl von Illustrationen vorgestellt wurde.
     Auf diese Weise erfolgt mit den finsteren Zukunftsprognosen, die gegenwärtig von einer ganzen Armee käuflicher Schriftsteller auf Order der Wall Street fabriziert werden, ein wahrer Angriff auf die Völker der Welt.
     Ein Sammelband mit dem programmatischen Titel „Zivilisation“ ist vor einiger Zeit in Paris erschienen. Der Band versammelt viele Autoren. Beginnend mit dem derzeit groß in Mode stehenden Spezialisten für Zivilisationsbeisetzungen Herrn Toynbee sprechen sie alle in einer Sprache, die hier auch recht treffend als „Sprache der intellektuellen Panik“ bezeichnet wird. Die Einfügung des Wortes „intellektuell“ passt zwar nicht so recht auf die vertierten imperialistischen Dunkelmänner, aber was die Panik betrifft, ist die Bezeichnung voll und ganz gerechtfertigt.
     Nach einem Meinungsaustausch über die moderne Zivilisation sind die Dunkelmänner zu dem einmütigen Schluss gelangt, dass diese „ablebt“. Alle haben sie die „Zeichen des Zerfalls“ der bürgerlichen Gesellschaft deutlich erkannt. Das versetzte diese „Theoretiker“ in eine sehr  niedergeschlagene Stimmung: Einer von ihnen bekannte, dass er von der Vorahnung der baldigen „Vernichtung ausnahmslos aller Menschen“ erfasst sei und von einer unüberwindbaren „Lebensangst“.
     Ein anderer der um das Schicksal der Menschheit Bekümmerten kam zu dem Schluss, dass die moderne Zivilisation schuldig sei, „Millionen verheerter Geschöpfe“ hervorgebracht zu haben. Derartige Ergüsse imperialistischer Entartung füllen den gesamten recht umfänglichen Band. Seine Autoren werden nicht müde, ihre Verachtung gegenüber dem Menschen zum Ausdruck zu bringen und scheuen in ihrer Raserei vor nichts zurück, um ihn in übelster Weise zu verleumden.
     Ihnen allen gemein ist eine animalische Furcht vor dem herannahenden Zusammenbruch des kapitalistischen Systems und eine unbändige Wut auf jegliche Volksbewegung. Deshalb werden die zahnlosen Angriffe des amerikanischen literarischen Provokateurs Dos Passos gegen einen von ihm erfundenen „kommunistischen Despotismus“ von allen Totengräbern der Zivilisation unterstützt.
     Die imperialistischen Kriegshetzer versuchen weite Kreise der Bevölkerung durch Furcht zu betäuben, und sie bedienen sich zum Schüren dieser Furcht verschiedenster Mittel und stets einer ordentlichen Prise Zynismus.
     In einem der Romane des derzeitigen Modeautors Henry Miller findet sich die folgende Tirade: „Das heißt, wir sind zum Untergang verurteilt, wir haben keine Hoffnung mehr, keiner von uns! Doch wenn das so ist, dann lasst uns in ein letztes schreckliches Geheul ausbrechen, in gnadenlosen Hohn, in einen Schlachtruf. Schluss mit Jammern! Fort mit Elegien und Totengesängen! Fort mit Biografien und historischen Abhandlungen, mit Bibliotheken und Museen!  Sollen die Toten ihre Toten begraben! Ihr, die ihr noch lebt, lasst uns auf dem Vulkan unseren letzten wilden Tanz tanzen!“
     Das ist geradezu ein Programm der gegenwärtigen bürgerlichen Literatur in den USA, in Frankreich und in England. Doch die Wortschwälle des literarischen Gangsters werden nicht nur in Büchern gedruckt. Kürzlich konnte man in einer Zeitschrift einen Appell an die amerikanischen Studenten lesen, der buchstäblich im Geiste des obigen Zitates von Miller war und die Jugend dazu aufrief, alles zu vergessen, allem voran ihre Verpflichtung vor dem Menschen, und stattdessen „Rumba auf dem Vulkan zu tanzen“.
     So versucht die imperialistische Reaktion unter dem Geheul der Totengräber und Panikmacher die junge Generation zu vergiften, um sie leichter zu willenlosen Soldaten für einen neuen Krieg machen zu können.
     In großer Zahl sind auch „Theoretiker“ des Schreckens aufgetaucht. Einer von ihnen – Harrison Smith – behauptet, eine Neigung „zum Schaudern vor übernatürlichen Schrecken“ sei dem Menschen wesenseigen. Mehr noch: Er scheut sich nicht, der wahrhaft kannibalischen amerikanischen Science Fiction, von der hier Beispiele angeführt worden sind, eine heilsame (ja, heilsame!) Wirkung zuzuschreiben. Vielleicht wird man ja in Amerika bald Werbung für eine wunderwirkende Schreckenstherapie machen.
     Und so bringt Mister Smith seinen in seiner Unverschämtheit und in seinem Zynismus beispiellosen Gedanken vor: „Die Hilflosigkeit und die Angst des Durchschnittsmenschen angesichts realer wissenschaftlicher Fakten, angesichts von Flugzeugen, die schneller als der Schall fliegen, angesichts von explodierenden Atomen und tödlichen radioaktiven Gasen, die einen großen Teil von uns sündigen Menschen umbringen können, könnte in einem Massenwahn der zivilisierten Menschheit enden, wenn nicht die Science Fiction auf ihre Art zu Hilfe kommen würde ...“
     In diesem Lichte erscheint es nicht verwunderlich, dass in den USA ernsthaft das Projekt eines literarischen Werkes diskutiert wird, das in möglichst überzeugender Form beschreiben soll, wie man die Menschheit durch Schrecken vor der Gefahr eines neuen Weltkrieges retten kann. Der Gedanke ist folgender: Wenn man die Menschheit in Schrecken versetzt durch das Nahen einer Katastrophe, die größer ist als die Explosion von Wasserstoffbomben, wenn eine „allumfassende drohende Gefahr heraufbeschworen wird“, eine Art Blitzableiter für die gegenwärtige angespannte Situation, dann wird umgehend eine allgemeine Verbrüderung auf der Erde einsetzen, die schließlich gekrönt werden wird durch „die Schaffung einer Weltregierung“. Es ist offenkundig, dass eben in letzterem die Absicht hinter diesem von den Agenten der Wall Street mit großer Miene zelebrierten ungeheuren Unsinn steckt. Wir sehen, wie zügelloseste Fantastik mit den üblichen „Losungen“ des amerikanischen Imperialismus gefüllt wird.
     Es ist interessant, dass der von einer großen amerikanischen Literaturzeitschrift hervorgebrachte Vorschlag, einen solchen Roman zu schreiben, breiten Widerhall und lebhafte Diskussion unter den amerikanischen Schriftstellern hervorrief, die dem „gelben Teufel“ dienen.
     Der Virus der Angst ist in der Tat bereits in alle Poren des imperialistischen Amerika gedrungen. Ungeachtet aller Bemühungen von „Heilern“, an denen es nicht mangelt, bietet die zeitgenössische bürgerliche Literatur einen sehr leichenhaften Anblick. Sie ist gänzlich und rettungslos im Sumpf des moralischen Verfalls gefangen.
     Doch mit keinerlei Schreckgespenstern wird es den Trommlern zu einem neuen Weltkrieg gelingen, die Völker zu verängstigen, deren Bewusstsein heute klarer denn je ist. Mit jedem Tag erkennen die Millionen einfacher Menschen die niederträchtigen Manöver der Feinde der Menschheit besser.
     Die Kräfte der Welt, die sich immer fester zu einer organisierten Front für den Schutz des Friedens, der Freiheit und des Lebens vereinen, sind die einzige Hoffnung auf die Rettung der Kultur, die die Menschheit hat. Diese Kräfte, angeführt von der Sowjetunion, sind mächtig und unbesiegbar und werden der Menschheit den abscheulichen Ränken der imperialistischen Kriegstreiber zum Trotz Glück und Gedeihen sichern.

("Prawda" vom 12.05.1950, Nr. 132 (11604), S. 2. Aus dem Russischen von Ivo Gloss)


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Copyright für die Übersetzung (C) 2015 by Ivo Gloss
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